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PATENTIERT UND AUSGEZEICHNET: DAS INNSBRUCKER LANGZEIT-PERFUSIONSPROTOKOLL

Die Grafik stellt die Errungenschaft des Innsbrucker Langzeit-Perfusionsprotokoll dar: Anhand des Protokolls ist es möglich, Spenderlebern bis zu einer Woche außerhalb des Körpers am Leben zu halten. In einer weiteren Studie haben die Wissenschafter:innen von organLife das Protokoll zur Testung eines viralen Vektors angewandt. Grafik: organLife/KI
Die Grafik stellt zwei Forschungsarbeiten am organLife Labor dar: Anhand des Langzeit-Perfusionsprotokolls ist es möglich, Spenderlebern bis zu sieben Tage außerhalb des Körpers am Leben zu halten. In einer weiteren Studie haben die Wissenschafter:innen das Protokoll zur Testung eines viralen Vektors angewandt.
Grafik: organLife/KI

Ein neues, mit einem europäischen Patent versehenes Langzeit-Perfusionsprotokoll aus der Feder von Forscher:innen am Innsbrucker organLife-Labor setzt einen weiteren Meilenstein zur Therapie und Regeneration von vorgeschädigten Spenderorganen. Dafür wurde das Team jetzt von der Industriellenvereinigung ausgezeichnet. In einer weiteren Publikation kam das Protokoll zum Einsatz, um die Effizienz eines viralen Vektors zu testen ­– ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Durchführung einer Gentherapie an einem Spenderorgan.

Ein intakter bioenergetischer Status, eine niedrige Hämolyserate* und kontinuierliche Gallenproduktion. Wenn all diese Faktoren zutreffen, hat eine Spenderleber die besten Chancen, längere Zeit außerhalb des Körpers in der OrganOx-Metra-Perfusionsmaschine erfolgreich zu überleben. Länger, als die zugelassenen 24 Stunden – ganze sieben Tage!

Das wiederum eröffnet neue Möglichkeiten, dem anhaltenden Mangel an Spenderorganen entgegenzuwirken. „Bei einer einwöchigen Perfusion könnten wir die Organe nicht nur konservieren und deren Funktion beurteilen, sondern zukünftig auch vorgeschädigte Lebern und solche, die momentan nicht für eine Transplantation infrage kommen, therapieren und regenerieren“, erläutert Julia Hofmann.

Sie ist gemeinsam mit Christina Bogensperger die Erstautorin der kürzlich publizierten Arbeit, in welcher ein Protokoll für eine 7-Tage-Maschinenperfusion von Spenderlebern am organLife Labor der Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie mit einem Team unter der Leitung von Theresa Hautz, Thomas Resch und Klinikdirektor Stefan Schneeberger entwickelt wurde. Das hochrangige Fachjournal Transplantation veröffentlichte die Forschungsarbeit. Der Erfolg der Projektes baut auch auf die multidisziplinäre Zusammenarbeit und fachliche Experitse von Mitarbeitern der Anästhesie, Labordiagnostik, Pathologie und Blutbank der Medizinischen Universität Innsbruck und Tirol Kliniken. Für das Innsbrucker Protokoll ist mittlerweile ein europäisches Patent erteilt worden.

Das Neue und Besondere daran ist, dass die Forscher:innen das bestehende Perfusionsprotokoll optimiert und angepasst haben, nicht aber die kommerziell erhältliche Maschine. „Das zugelassene Gerät, die OrganOx Metra, bleibt unverändert. Das erleichtert die Implementierung in anderen Zentren und die regulatorische Zulassung“, betont Julia Hofmann. Das neue Innsbrucker Protokoll baut auf drei Hauptsäulen:

  • Akkurates Perfusat-Volumenmanagement (täglicher Ausgleich des durch Gallenproduktion verlorenen Volumens)
  • Gallengangsmanagement (tägliche Spülung mit Kochsalzlösung zur Aufrechterhaltung der Gallenproduktion und deren regegelter Abfluss*)
  • Breite antiinfektiöse Therapie (Antibiotika-Kombination plus Antimykotikum)

Die Forscher:innen haben das neue Innsbrucker Perfusionsprotokoll in drei Projektphasen erarbeitet: In der ersten Phase (Assessment) ermittelten sie die Probleme und Limitationen und somit deren Anforderungen an ein optimiertes Protokoll an acht gesunden Schweinelebern. In der anschließenden Testphase wurde die siebentägige Perfusion erfolgreich an zehn gesunden Schweinelebern bestätigt. Die dritte Phase beinhaltete die Validierung des Protokolls an 22 für die Transplantation im Eurotransplant-Raum abgelehnten humanen Spenderlebern. 16 der humanen Lebern wurden nach dem neuen Innsbrucker Protokoll perfundiert, sechs als Kontrollgruppe ohne Perfusatoptimierung. Obwohl diese humanen Organe teilweise stark vorgeschädigt waren, konnten vier Lebern ohne weitere Organschädigung und unter Nachweis der Organviabilität und erhaltener Organfunktion das 7-Tages-Ziel erreichen. Die mediane Perfusionsdauer für alle 16 Lebern lag bei 135 Stunden (rund fündeinhalb Tage). Die Organe der Kontrollgruppe hingegen zeigten ab 48 Stunden massive weitere Schädigung.

Preis der Eduard-Wallnöfer-Stiftung

Das OrganLife-Team wurde am 20. Oktober 2026 von der Industriellenvereinigung (IV) Tirol mit dem Eduard-Wallnöfer-Preis in der Kategorie Wissenschaft und Technik für die Entwicklung des Innsbrucker Langzeit-Perfusionsprotokoll ausgezeichnet. Der Preis würdigt herausragende wissenschaftliche und technische Leistungen mit Tirol-Bezug, die sich insbesondere durch ihr Potenzial für eine wirtschaftliche Umsetzung hervorheben. Auf dem Weg zur wirtschaftlichen Verwertung dieser Innovation wird das organLife-Projekt bereits seit längerer Zeit von MedLifeLab, dem Innovation Hub der Medizinischen Universität Innsbruck, begleitet und unterstützt.

v.l. Theresa Hautz, Christina Bogensperger, Julia Hofmann und Stefan Schneeberger haben mit Kolleg:innen am organLife das Lanzgeit-Perfusionsprotokoll entwickelt. (Foto: organLife)

Langzeit-Perfusionsprotokoll als Drug-Testing-Plattform

In einem zweiten Projekt, das Julia Hofmann als Erstautorin gemeinsam mit Stefan Lung, den Projektinitiatoren und -koordinatoren Theresa Hautz und Heribert Stoiber, und in Kooperation mit VASCage, dem Institut für Virologie und externen Industriepartnern durchgeführt hat, kam das neuen Langzeit-Perfusionsprotokoll dann gleich zum Einsatz: Getestet wurde der AAV3B-Vektor als möglicher Kandidat einer zielgerichteten Gentherapie für die Leber. „AAV3B ist ein bekanntermaßen hepatotropes Kapsid*. Das heißt: Für Gentherapien braucht es Vektoren, die das ,Cargo‘ bestmöglich an den richtigen Ort, sprich: in die Zielzelle, liefen. Adeno-assoziierte Viren (AAV, Anm.) sind dafür gut geeignet. Ziel war es, der Verhalten des Vektors in unserem Perfusionsmodell zu analysieren, sowie dessen Auswirkungen auf die Leberfunktion und natürlich die Transduktionseffizienz in Hepatozyten zu ermitteln“, erklärt Hofmann. Um die optimale Vektordosierung für das Organperfusionsmodell und eine mögliche Interaktion der Vektoren durch das im System befindliche Heparin zu ermitteln, wurde auf ein Zellkulturmodell (Precision-cut liver slices) zurückgegriffen. „Wir konnten erfolgreich zeigen, dass sich die Ex-situ-Organperfusion hervorragend als Plattform zur organspezifischen Testung und Optimierung neuer Therapieansätze eignet. Darüber hinaus ermöglicht dieses hochtranslationale Modell, die Wirksamkeit und Toxizität sowie die Pharmakokinetik und Pharmakodynamik neuer Wirkstoffe unter physiologisch relevanten Bedingungen zu untersuchen, noch bevor diese in klinischen Studien eingesetzt werden. Damit hat die Plattform das Potenzial, eine entscheidende Lücke zwischen präklinischen Tiermodellen und der Anwendung am Menschen zu schließen“, ergänzt Theresa Hautz abschließend. Die Studie, die im Fachjournal Scientific Reports erschienen ist, wurde vom FFG gefördert.

Gemeinsam mit Heribert Stoiber (r.) und seiner Arbeitsgruppe am Institut für Virologie wandten Julia Hofmann (l.) und Theresa Hautz (M.) mit dem organLife-Team und den Kolleg:innen von VASCage das Innsbrucker Langzeit-Perfusionsprotokoll zur Erprobung eines viralen Vektors an. (Foto: organLife)

*Das verwendete Perfusat enthält unter anderem ein Erythrozytenkonzentrat. Hämolyse bedeutet, dass diese Erythrozyten (rote Blutzellen) zerstört werden — etwa durch mechanischen Stress im geschlossenen Perfusionssystem. Dabei wird freies Hämoglobin freigesetzt, das weitere schädigende Prozesse auslösen kann.
*Zusammenhang mit der Galleproduktion: Eine kontinuierliche Galleproduktion ist ein wichtiger Indikator der Leberfunktion während der ex-situ normothermen Maschinenperfusion. Über die Galle können unter anderem die bei der Hämolyse entstehenden Abfallprodukte entfernt werden. Deshalb hängen niedrige freie Hämoglobin Werte und funktionierende Galleproduktion direkt mit dem Erfolg der 7-Tage-Perfusion zusammen.
*hepatotropes Kapsid: Ein Kapsid ist die aus Protein bestehende Schutzhülle eines Virus, das in diesem Fall vorzugsweise Leberzellen ansteuert. Für eine Gentherapie wird die Erbinformation des therapeutischen Proteins in die Kapsidhülle eingebaut; Kapsid und Erbinformation dienen als Vektor, welcher im Zuge einer Gentherapie beispielsweise verabreicht wird.

(27. Oktober 2026, Text: T. Mair, Fotos: organLife, Startseite: MUI/F. Lechner, Grafik: organLife/KI)

Forschungsarbeiten:
Hofmann, J., Bogensperger, C., Meszaros, A. T., Buch, M. L., Nardin, F., Cardini, B., Zelger, B., Hermann, M., Fodor, M., Messner, F., Scherbauer, F., Bordt, M., Krendl, F. J., Esser, H., Oberparleiter, S., Berchtold, V., Pühringer, M., Mathis, S., Putzer, G., … Schneeberger, S. (2026). Establishing a Platform for 1-Wk Normothermic Machine Perfusion of Donor Livers. Transplantation https://doi.org/10.1097/TP.0000000000005915

Hofmann, J., Lung, S.H., Gasser, J. et al. Assessment of AAV3B transduction efficiency in a liver normothermic machine perfusion model. Sci Rep (2026). https://doi.org/10.1038/s41598-026-61325-9

Links:
organLife
Univ.-Klinik für Visceral-, Transplantations- und Thoraxchirurgie
Eduard-Wallnöfer-Preis 2026 der Industriellenvereinigung Tirol
Institut für Virologie
VASCage
FFG